Neue Texte im Teil-Lockdown

Liebe Leserinnen und Leser,

 

Sie wundern sich bestimmt, dass hier eine gute Weile keine neuen Texte eingestellt wurden. Tja, das lag daran, dass in den meisten Schreibwerkstätten wieder intensiv gearbeitet und die entstandenen Texte dort besprochen wurden.

Da hatte ich Zeit, die Texte, die mir zugeschickt wurden, erst einmal zu sammeln.

 

Der neue Teil-Lockdown verändert auch die Schreib- und Textsituation - d.h. Sie finden wieder "frische" Geschichten und Gedichte, an denen Sie sich freuen können.

 

Viel Freude beim Lesen und bleiben Sie gesund!

Ihre Cornelia

 

 

Herzmomente

 

Es atmet Herbst

Es ist Herbst

Ich suche nach buntgefärbten Blättern

Finde sie im roten Wasser

 

Die Erde

Über die ich laufe

Ist bedeckt von Blättern

Der Augenblick sieht ihre Farben

Von der Sonne beschienen

 

Ich sehe eine Jahreszeit meiner Kindheit

Der Himmel scheint blau

Der Boden voller Herbstblätter

Die dich anschauen

Einladen deine Erinnerungen zu wiederholen

 

Und wenn die stille Kerze leuchtet

Überfällt dich der Herbst

Du riechst die Blätter

Fühlst die buntfarbigen Erinnerung

 

Herzmomente

 

©M.M.

 

 

 

Physalis

 

„Seht her, mit welcher Pracht ich meine Blüte der Frühlingssonne entgegenstrecke! Man nennt mich die Königin der Blumen“, sprach die Lilie.

„Was hast du schon zu bieten, mit nur einer Blüte?“, entgegnete die Rose. „Von meiner duftenden Blütenpracht fühlen sich alle Schmetterlinge, Bienen und Hummeln angezogen.“

„Was seid ihr doch für armselige Pflanzen, die ihr eure Wurzeln in die Erde stecken und eure Hälse nach oben recken müsst, um gesehen zu werden?,“ rief die Orchidee von oben herab. „Ich lasse meine Wurzeln vom Winde umwehen und von Tau und Nebel benetzen.“

Bescheiden blickte die junge Physalis, an einer Mauer gelehnt, an sich herunter und schämte sich ein wenig, wegen ihrer kleinen, gelblichen Blüten.

Wochen vergehen und die drei Blumen streiten weiter bis in den Herbst hinein. Während Lilien, Rosen und Orchideen nach und nach verblühen, wachsen die Blüten an der unscheinbaren Pflanze, in der Ecke des Gartens, zu großen Lampions heran, dessen zartes Grün sich in ein leuchtendes Rot wandelte und nun alle anderen Farben im Garten überstrahlt.

Als im Winter längst alle Blumen ihre Blüten und Blätter verloren haben, wurden die Samenkapseln der Physalis zu filigranen Gebilden, aus denen eine dunkelrote Frucht herausleuchtet. Schon bald wird sie einen Adventskranz schmücken.

 

© Lothar Lax

 

 

Herbsttage


Das Tagebuch mit dem bunten Buchrücken liegt aufgeschlagen vor mir. Von der Anspannung des Tages habe ich Rückenschmerzen. Ich überlege, ob ich meine Eintragungen später schreibe, wenn ich wieder schmerzfrei bin. Meine Freiheit nutze ich und mache einige Entspannungsübungen und lasse mich mit meinen Gedanken treiben.
Diese Freiheit bedeutet, dass ich auftanken, ungebunden tun und lassen kann was ich möchte; wenn’s sein muss bis zum ersten Hahnenschrei. Mein Schreibbedürfnis ist geweckt und ich sammele all‘ meine Gedanken aus meinem Bedürfnisbecken im Beckenboden. Vergessen ist der Bodenschrubber und die Frauenlast. Die Last sammelt sich im Lastkahn der Seele. Der Kahnfahrer mit der Fahrerlizenz zieht mit der trüben Gedankenlast davon. Als Lizenznehmer behalte ich die guten und positiven Gedanken bei mir.

Diese gewonnene Erkenntniseinsicht schreibe ich in mein Tagebuch.

 

 

© Maria Boyn

 

Haiku

Im Septemberlicht                

Der Orgelflug der Schwäne  

endet auf dem See               

 

Senryu

Herbstgeruch in mir             

Er fällt in meine Träume      

Kündet vom Winter             

 

Elfchen

hell                                        

das Septemberlicht                                      

hoch vom Himmel                

bescheint es bunte Blätter  

Farbenrausch                        

 

 

© Maria Boyn

 

 

Neues Leben  

 

Umhüllt wie eine Perle,

Die in der Muschel ruht,

Blickst du hervor aus deiner Schale,

Umspielt von letzter Sonnenflut.

 

Du ruhst auf feuchtem Grunde,

Wohin der Wind dich trug.

Der Herbst färbt bunt die Blätter

Und deckt mit Laub dich zu.

 

Wenn bald der Frühlingstahlen

Dich aus dem Schnee befreit,

Verlässt du deine Schale

Zur Wandlung nun bereit.

 

Die ersten Keime sprießen

Und strecken sich empor.

Und unten in der Erde

Treten Wurzeln jetzt hervor.

 

Blickst hoch du zum Baume,

Von dessen Zweig du stammst.

Und strebst mit Macht nach oben,

 

Willst zeigen was du kannst.

 

© Lothar Lax

 

 

Herbstgedanken.

 

Der Herbst zieht durch mein Gemüt,

ich kann es kaum ertragen,

wie er mich nach unten zieht.

Oh, lasst mich nicht verzagen.

 

© Franz Köhler

 

 

Herbst

 

  Martinsfeuer, Drachensteigen

Zeigt uns an, der Herbst ist da.

Überall ein reges Treiben

Und der Winter ist schon nah.

 

  Nebelschwaden über Felder,

Spinnennetz bedeckt vom Tau.

Lichter werden nun die Wälder;

Füchse schlafen tief im Bau.

 

  Nüsse, Eicheln und Kastanien

Sind vom Eichhörnchen gut versteckt.

Doch der Eichelhäher hoch im Baume

Hat die Leckereien längst entdeckt.

 

  Länger werden nun die Schatten.

Und die Tage kühl und grau.

Tiefer steht die Sonne am Himmel,

Hüllt sich ein in dunkles Blau.

 

 

Herbst 2

 

  Buntes Laub, graue Wolken.

Drachen gaukeln im Wind.

Vögel ziehen nach Süden.

Abgeerntet sind Felder und Gärten.

Wehmut liegt im Blick.

Ja, der Herbst ist da.

 

© Lothar Lax

 

„Dieser Ort ist voller Zauber und Geheimnis, mit jedem Schritt bewegt man sich durch die Zeiten“ (nach; Der Garten der verlorenen Seelen von Nadifa Mohamed, S. 16)

 

Seit September 1950 lebte ich in meiner neuen Heimat Köln, dieser geschichtsträchtigen Stadt am Rhein. Als sechzehnjährige norddeutsche Protestantin war ich für hier Geborene schlicht „ene Imi“. Die Sprache sollte ich nie ganz beherrschen und die „geheimnisvolle“ kölsche Mentalität nie ganz durchschauen.

Nachhilfe dazu gab mir ein von den Nazis verjagter „echt kölscher“ Jude, Jurist, Literaturwissenschaftler und Kölner Ehrenbürger: Hans Mayer. In seiner Interpretation bezieht er sich auf Nicolaus Cusanus, den Gelehrten von der Mosel (16.Jh.) und dessen „Coincidentia oppositorum“. Danach war die Stadt immer schon beides, „Klischee und sein Gegenteil: Weihrauchduft und Rebellion, klerikale Dumpfheit und fundamentale Aufsässigkeit, reaktionäre Dunkelmänner und satirische Dunkelmännerbriefe, Heilige und Huren, Katholizismus und Karl Marx“. Die doppeldeutigen Witze von Tünnes und Schäl sind Legende. „Wo man einen Zipfel der Kölner Wirklichkeit zu fassen kriegt“, resumiert Mayer, „hat man auch schon ihr Gegenteil mitgepackt“.

Neugierig versuchte ich, mir nach diesem Vorbild Kölns Geschichte anzueignen.

Gegen die stolzen 1900 Jahre des Kölner Stadtjubiläums mussten die 700 meiner alten Heimat Quakenbrück natürlich hoffnungslos verblassen. Am 8. Juli 50 n.Chr. wurde der römischen Kolonie als „Colonia Claudia Ara Agrippinensium“, kurz CCAA, das Stadtrecht verliehen, leider von einer Dame mit höchst zweifelhaftem Ruf. Kaiserin Agrippina, in dritter Ehe verheiratet mit Kaiser Claudius, galt als zügellos, sexuell ausschweifend, machtgierig und mordlustig. Folgerichtig wurde sie später von ihrem Sohn Nero umgebracht, dem sie mordend zur kaiserlichen Macht verholfen hatte. Den Kölnern war sie, so der Historiker Martin Stankowski, derart peinlich, dass sie ihrer Stadtgründerin nicht einmal ein Denkmal errichten mochten.

So etwas lernte ich jetzt im spannenden Kunstgeschichtsunterricht bei Annemarie Böll, der Frau des späteren Kölner Ehrenbürgers, Nobelpreisträgers und „Nestbeschmutzers“. Sie führte uns in „vielen Schritten durch die Zeiten“, ob in Museen, historische Bauten und Kirchen, oder zu Straßen, Mauern und Ausgrabungen. Bei ihr bekam ich eine leise Ahnung von der kulturellen Bedeutung Kölns im römischen Reich wie im frühchristlichen Mittelalter. Doch wieso das hochzivilisierte römische Köln - eine Großstadt von 20.000 Einwohnern - mit Rheinbrücke, beheizten Villen, eleganten Thermen und fließendem Wasser zurückfallen konnte in Primitivität des Alltags - diese Frage konnte Frau Böll nur mit dem achselzuckenden Hinweis beantworten, das christliche Interesse habe wohl deutlicher den himmlischen Freuden romanischer Kirchen gegolten, nicht dem irdischen Wohlleben. Und die fränkischen Eroberer mochten sowieso keine Städte.

Von römischen bis zu preußischen Befestigungen des 19. Jh. galt Köln als militärisch geprägte Stadt. Die Kölner selbst haben diesen Ruf eher ad absurdum geführt. Nicht nur die Ubier amüsierten mich, die sich mit den römischen Herrschern längst arrangiert, Ehen gestiftet und empört weitere germanische Kämpfe zurückgewiesen haben sollen: „Mer künne doch nit de eijene Verwandtschaff op dr Kopp haue!“, sondern auch spätere christliche Stadtsoldaten, die vom Bayenturm genauso empört schießende Belagerer angefaucht haben sollen: „Hat ehr nit jesinn, dat he Minsche stonn?“

Die ab 1180 selbstgebaute Stadtmauer mit zwölf Toren war der ganze Stolz Kölner Bürger. Eigene städtische Selbstverwaltung für Handel und Handwerk wurde ihnen jetzt ebenso wichtig wie der Rhein, auf dem der Warenaustausch stattfand. 200 Jahre hatten sie gegen die Machtansprüche der Erzbischöfe gekämpft bis zur erfolgreichen Schlacht bei Worringen 1288. Den Erzbischof von Falkenburg kerkerten die Kölner Gewinner brutal in seiner kompletten Rüstung ein als Demonstration: Dies tun wir mit nicht mit dem christlichen Vertreter der Kirche sondern mit dem irdischen Kämpfer um die städtische Macht.

Übrigens soll in jenen Kämpfen zum ersten Mal der legendäre Schlachtruf „Kölle alaaf“ erklungen sein.

Ökonomisch wie politisch wuchs in Köln - mit 40.000 Einwohnern die größte Stadt nördlich der Alpen - jetzt die Macht der Patrizier, der reichen, international tätigen Kaufleute, wie vorher die der Erzbischöfe, die sie doch selbst mit verjagt hatten. Darauf schlossen sich die selbstbewussten reichgewordenen Handwerker zu Zünften zusammen und beanspruchten revoltierend einen Teil dieser Macht. 1396 setzte der „Verbundbrief“ diese Zünfte als neue Stadtmacht gegen die Patrizier ein.

Handel wie Handwerk florierten im 15. Jh. weiterhin, doch als besondere Einnahmequelle „erfanden“ die Kölner den frommen Tourismus, an dem die Stadt gut verdiente. Die Legende der Hl. Ursula, die Gebeine der Heiligen Drei Könige lockten die Pilger an, dazu unendlich viele Reliquien - ob echt oder falsch - man glaubte daran. Martin Luther soll sich über die Verehrung der Dreikönigsgebeine lustig gemacht haben, weil man ihnen ja nicht ansah, ob sie vielleicht doch von irgendwelchen Bauern abstammten.

Übrigens - auch die Prostitution blühte in großem Stil.

Von unserer beliebten Religionslehrerin erfuhr ich, dass die Juden schon 1424 „bis auf alle Ewigkeit“ ausgewiesen worden waren, sowohl einiges über die vergeblichen Versuche der Prediger Clarenbach und Fliesteden, in Köln die Reformation zu etablieren. Beide endeten 1529 auf dem Scheiterhaufen. Die Stadt duldete keine Protestanten in ihren Mauern. Nur gegenüber blutig verfolgten niederländischen Calvinisten entwickelte sie weniger religiöse Vorbehalte, zumindest wenn diese Geld mitbrachten. Gegen entsprechende Zahlung erhielten wohlhabende Flüchtlinge zeitweise Asyl. Peter Paul Rubens, der hier seine Kindheit verbrachte, malte für die Kirche St. Peter später die dramatische Kreuzigung Petri.

 

Die folgende Kölner Historie erlebte ich ebenfalls mit oft zauberhaft klingenden „Geschichten über Geschichte“. Bloß mit dem „Vringsveedel“ geriet ich gründlich auf den Holzweg. Als Namensgeber hatte der Heilige Severin bereits im 4. Jh. fungiert, nicht Kardinal Josef Frings, der in der Nachkriegszeit den Diebstahl von Lebensmitteln und Brennmaterial als „fringsen“ legalisiert hatte. Den kannte ich sogar als norddeutsche Protestantin - den Heiligen nicht. 

 

© Edith Lerch  

 

 

"… das Kinn war zu lang, die Nase zu knollig, die Augen asymmetrisch."

 

Und doch, er hatte sie geheiratet gegen den Rat seiner Eltern und das Hohngelächter seiner Freunde.

Er wusste, sie war eine gute Frau. Er hatte sich oft mit ihr unterhalten. Sie war intelligent, besaß Herzenswärme, Einfühlungsvermögen, einen wachen Geist.

Sie zählte wahrhaftig nicht zu den Frauen, die seine Freunde mit Blicken auszogen, ihr bewundernd nachpfiffen oder billige Komplimente machten.

Alles das war sie nicht. Sie war seine Königin.

Er liebte sie aufrichtig. Er verlieh ihr Selbstwertgefühl, was sie vorher nie besessen hatte, machte sie glücklich und stark.

Und sie gab ihm die Liebe tausendfach zurück.

Sie unterstützte ihn bei seinen Unternehmungen mit Rat und Tat und mehrte den Wohlstand.

Sie bekamen Kinder, zwei hübsche Mädchen, die später studierten und promovierten.

Sie engagierte sich, als die Kinder aus dem Haus waren, in der Flüchtlingshilfe, ging in die Politik. Ihr Mann unterstütze sie, wobei seine geschäftlichen Verbindungen von Vorteil waren, die seine Frau zu nutzen verstand.

Beide waren angesehene Bürger ihrer Stadt und viele bemühten sich, zu ihrem Freundeskreis zu gehören.

 

© Franz Köhler

 

 

Sternennacht

 

 Der Horizont ist ganz blauer Himmel. Lediglich ein Streifen Gelb weist ihnen den Weg, und es fällt schwer, sich vorzustellen, dass etwas Greifbares vor ihnen liegt.  (Der Garten der verlorenen Seelen von Nadifa Mohamed, S. 13)

 

  Peter und Karin sind auf dem Wege nach Hause. Ihr Weg führt durch ein Buchenwäldchen, vorbei an einer Pferdeweide. Schon oft sind sie zusammen hierher gegangen. Peter ist überzeugt, diesmal wird es anders sein.

  Seit ihrer Kindergartenzeit sind sie befreundet. Mit einigen Jugendliche aus Nachbarschaft und Schule gehören sie zu einen Freundeskreis, der vieles gemeinsam unternimmt. Sie gehen Schwimmen, unternehmen Radtouren, besuchen Sportveranstaltungen oder „hängen einfach nur rum“.

  Vor einem halben Jahr hat Peter, nach der Mittleren Reife, eine Lehre als Speditionskaufmann begonnen; Karin besucht die 10. Klasse der Gesamtschule.

  Mit einigen Freunden und Freundinnen haben sie vor einigen Wochen einen Tanzkurs besucht. Bisher war Karin für Peter nur eine Freundin wie alle anderen aus ihrer „Clique“, doch in der vierten Tanzstunde änderte sich alles. Als er sie bei einem Slowfox im Arm hält, geschieht mit ihm etwas Unerklärliches, er spürt, er hat sich in sie verliebt. Ist Karin denn nicht immer noch dieselbe, die er schon seit vielen Jahren kennt? Oder ist sie ihm gegenüber nicht mehr so unbefangen wie noch vor wenigen Tagen, als sie miteinander „herumalberten“ und sich über Liebespaare lustig machten? Jetzt ist Peter selbst verliebt und hofft, dass Karin seine Gefühle erwidern wird.

Drei Wochen sind vergangen, und noch fand Peter keinen Mut, Karin zu sagen, dass er sie liebt. Heute besuchen sie mit Freunden eine Tanzveranstaltung im „Haus der Jugend“. Danach gehen sie noch auf ein Bier und einen „Halven Hahn“ ins Brauhaus. Auf dem Heimweg nimmt Peter sich fest vor: Sobald wir nachher allein sind, werde ich Karin meine Liebe gestehen. Noch gehen sie schweigend nebeneinander her, denn er weiß immer noch nicht so recht, wie er es anfangen soll.

  Als sie das Wäldchen erreichen, ist es bereits völlig dunkel. Der Himmel ist wolkenlos, doch da Neumond ist, fehlt das sanfte Mondlicht. Stattdessen strahlen ihnen an der Pferdeweide unzählige, hellleuchtende Sterne entgegen. Sie bleiben stehen und schauen beide beeindruckt zu ihnen empor. Karin schmiegt sich eng an Peter. Nun scheint der richtige Moment gekommen. Peter drückt Karin noch fester an sich und versichert ihr, dass er sie sehr liebt. Sie antwortet nicht, sondern küsst ihn nur leidenschaftlich. Dann lächelt sie ihn an: „Das habe ich doch schon lange gewusst und gehofft, dass du es mir heute sagen wirst. Als wir uns beim Tanzen berührten, habe ich gespürt, es war ganz anders als sonst, wenn wir zusammen waren.“

„Mir ging es genauso! Ich bin so glücklich, dass du mich auch liebst. Ich hatte Angst, du würdest mich auslachen.“

„Du hättest beim Tanzen doch schon fühlen müssen, dass ich dich liebe und nur darauf gewartet habe, dass du es mir sagst.“

„Denkst du, wir sollten es auch den anderen sagen? Merken werden die es ja sowieso.“

„Ich fänd‘s gut, wenn unsere Eltern es von uns gemeinsam erfahren, aber das muss ja nicht gleich morgen sein.“

Engumschlungen stehen sie noch eine Weile an der Pferdeweide, blicken hoch zu den Sternen und gehen dann im Gefühl, die glücklichsten Menschen der Welt zu sein, nach Hause. Mit einem letzten Kuss vor Karins Haustür verabreden sie sich für den nächsten Tag. Sie wollen zusammen mit ihren Freunden schwimmen gehen.

  

© Lothar Lax    

 

 

 

 „Sie gelangt zu der Überzeugung, dass dies der schönste Tag ihres Lebens ist, der Tag, an dem die ganze Welt vor ihr ausgebreitet liegt, damit sie sich daran erfreuen kann.“ („Der Garten der verlorenen Seelen“ von Nadifa Mohamed)

 

Gab es diesen „schönsten Tag“ in meinem Leben?

Ja, es gab einen Tag, an dem ich das Gefühl hatte, „die ganze Welt - des Wissens - breite sich vor mir aus“ und ich freute mich so, dass es schon fast wehtat. Am 20. Dezember 1974 wurde mir im „reifen“ Alter von 40 Jahren auch die Hochschul-“Reife“ bescheinigt, mit der ich mir - endlich - meine ach so langgehegten Studienträume in Richtung Erwachsenenbildung/Politikwissenschaft erfüllen würde. Als Kind hatte ich mich aus schlichter Faulheit trotz guter Noten für eine Mittelschule entschieden. Damals bereitete sich mein Bruder gerade auf das Abitur vor, und seine Lateinpaukerei fand ich abschreckend. Englisch und Französisch war ich ja bereit zu lernen, aber so eine "Uralt Sprache“, die kein Mensch mehr radebrecht - nein danke bestens! Außerdem: Ich war ja „nur“ ein Mädchen, das heiraten und Kinder bekommen würde. So geschah es denn auch, aber wie oft ich später meine Schulwahl verflucht habe, das weiß ich nicht mehr.

Aber jetzt war alles vergessen! Im Hochgefühl meiner neuen „Würde“ trommelte ich alle greifbaren Mitglieder unseres ausgedehnten Familienclans zu einem weihnachtlichen Festessen zusammen, um mit ihnen mein allerschönstes „Weihnachtsgeschenk“ zu feiern, das „Reife“-Zeugnis - mit der Note „Gut“.

„Na ja, geschenkt war’s wohl nicht“ zweifelte mein Schwager. “Wenn ich mich recht erinnere, hat‘s dich eine ganze Menge Arbeit, Zeit und Nerven gekostet. Oder?“.

„Hast Recht!“ musste ich bestätigen.

Aber gerade deshalb ließ mich an jenem Tag die Vorstellung nicht los, in Zukunft würde mir etwas so Anstrengendes nie wieder passieren. Und hatte Recht damit! Das Studium glich eher einem Aufbruch in immer neue Dimensionen des Wissens, mit viel mehr Spaß als Mühsal. Nach vorgeschriebenen acht Semestern nahm ich - diesmal mit „Sehr gut“ das Diplom-Zeugnis entgegen und machte gleich mit dem Promotionsstudium weiter - bei einer sechs Jahre jüngeren „Doktormutter“, das auch erfolgreich mit dem „Doktorhut“ endete, 10 Jahre nach dem 20. Dezember 1974. Nur für ein späteres Habilitationsverfahren war ich groteskerweise inzwischen „überreif“, vulgo zu alt.

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ behauptet Hermann Hesse, und mein „schönster Tag“ war tatsächlich der Ausgangspunkt für eine unglaublich vielfältige spätere Berufstätigkeit in der so lange gewünschten Erwachsenenbildung. Sie brachte immer neue Anfänge: Erst in der vertrauten Form mit Studenten an der Universität, danach mit Seniorenbildung an der VHS, in die ich mich mit viel Aufwand erst einarbeiten musste und dann ein „Zentrum zweite Lebenshälfte“ gründete, zum Schluss mit ausländischen Ärzten, die in einem Institut für nachuniversitäre Weiterbildung für die deutsche Medizin qualifiziert wurden. Das sollte mich gar nicht mehr loslassen - fast bis auf den heutigen Tag. Der medizinische Zweig war übrigens von einer meiner damaligen Uni-Studentinnen - 25 Jahre jünger als ich - begründet worden, und sie hatte meine Anfangsbedenken - keine Ahnung von medizinischen Zusammenhängen - zerstört. In intensiver Arbeit lässt sich vieles lernen. Und noch heute habe ich ihren trockenen Kommentar zu meiner Bemerkung, sie sei doch wenigstens mit einem Arzt verheiratet, im Ohr: „Du bist mit einem Ingenieur verheiratet. Kannst du vielleicht einen Kessel konstruieren? Darauf kommt’s nicht an - Wir machen Bildung!“  

Und dabei sollte es bleiben …noch unendlich viele „schöne Tage“ lang.

 

 

© Edith Lerch 

Mit der Sprache ist das so eine Sache.


Baron von Instetten aus Effi Briest würde sagen: ein weites Feld.
Der Gebrauch des Plusquamperfekts ist immer weniger geläufig.
„Wer brauchen ohne zu gebraucht, braucht brauchen überhaupt nicht zu gebrauchen“ ohnehin.
Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod.
Und ob statt langfristiger nicht tunlicher längerfristig verwendet werden sollte, kann nervig werden.

Dornig, eckig, kernig, klotzig, markig und widerwärtig sind nicht weich.
Auch billich, pelzich und rührich gehen mir nicht ständich willich von den Lippen.

Drollich, dusslich, dürftich und einfältich mögen ja gehen.
Doppelwandich, dreisprachich, dreitägich und dickbäuchich für mich eher nicht.
Vom dreißichjährichen Krieg zu sprechen, erscheint mir eher unwürdich.

Ich finde es weder lustich noch ulkich oder witzich,
dass die Bundesrepublik über eine ständiche Vertretung verfügt haben soll.

Wenn ein Bier obergärich sein soll, beleidicht das mein Sprachempfinden.
Die deutsche Sprache ist für mich lebendig, nicht lebendich.

Dem allgemeinen intellektuellen Niveau entspricht:
Forscher aus Freiburg gehen davon aus, dass ein E-Reader ab 22 Büchern beginnt,
die Umwelt zu entlasten.

Ich gehe davon aus, dass im Rahmen einer fortschreitenden Verblödung und Verrohung
die Horrorvisionen von Fahrenheit 451 und Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“
realitätsnäher sind, als diverse heilige Kühe.

Die Dominanz sogenannter Legalität über Legitimität ist nicht immer sinnig.
Apodiktische Maßgaben können auch unsinnig sein.

Golo Mann prägte den Satz: Jedes Prinzip führt zu Absurditäten,
wenn man es bis zu seiner letzten Konsequenz verwirklicht.

Genderisierung und Coronamaßnahmen singen davon ein Lied.
Die angeblich korrekt ausgesprochene Frage „Essig?“ lässt dann die Antwort zu „Ja, Du isst.“.

Die Meldung „Fertig!“ ist auch als „Feddich!“ eindeutig.
Bei „Fettich!“ kann es sich auch um eine Warnung handeln: „Fettig!“

Wenn man vierzig wird, mag es für manchen kein Verzicht sein,
nicht zu feiern, fetzich ist es aber sicher nicht.

Um nicht uneinsichtig zu erscheinen, kann ich ja vorläufig oder zukünftig ig-Trächtiges
wie beiläufig in wörtliche Rede kleiden.

„Tschudi“ von Mariam Kühsel-Hussaini - vor 33 Jahren in Kabul geboren - ist sprachmächtig.
Das Beachtlichste, was ich in letzter Zeit gelesen habe.
Aus dem damaligen Berlin.
Max Pechstein fand: anbetungswürdig.

© Uli Kölling 

 

 

Aus einer Wortkette: Blättermeer, Meerschaum, Schaumschläger.

 

Er war ein Schaumschläger.

Leider auch ein Würdenträger.

Er machte den Leuten etwas vor

und tatsächlich, sie liehen ihm ihr Ohr,

bis sie erkannten, dass er sie betrog

und man ihm vom Sockel zog.

Dann hat man ihn erschlagen!

 

Noch Fragen?

 

© Franz Köhler

 

 

Und erhob sich und ging, die Tür offen lassend, scheinbar ins Unbestimmte wandernd, wie eine Ibsen Figur. (Aus ‚Rate, wer zum Essen bleibt‘ von Philipp Tingler)

 

Sie war der Scheinwelt ihres Alltags entkommen und befand sich an einem verwunschenen Ort. Ein Schloss wie im Märchen aus 1001 Nacht. Sie wandelte durch verzweigte Gänge. Ein Irrgarten mit orientalischen Verzierungen an Decken und Wänden, Arkaden und Gärten wie in südlichen Gefilden. Duftreisen und Zeremonien führten sie in eine andere Welt von Formen, Farben und Düften des Orients.

Im Reich der Sinne fand sie Entspannung. Achtsamkeit lernte sie im Haus der Meditation. Am Feuerplatz schweiften ihre Gedanken in die Vergangenheit, dann in die Zukunft. Klangschalen mit unterschiedlichen Klängen, Tönen, Vibrationen und Schwingungen erzeugten einen Zustand der inneren Ruhe, ein wohltuendes Gefühl, auch für ihre Seele. Bald erkannte sie ihren eigenen Weg und erhob sich und ging, die Tür offen lassend, scheinbar ins Unbestimmte wandernd, wie eine Ibsen Figur.

 

© Maria Boyn

Wortspielerei zu „Baum“      /       Pantum                                     

 

Baumarme Baulücken sind trostlos und kalt

Baumlose Lücken betrüben die Passanten

Bäume berühren die Seele der Menschen

Bäume spenden frische Luft zum Atmen

Baumlose Lücken betrüben die Passanten

Bei großer Hitze bieten Baumschatten Schutz vor der Sonne und laden zum Verweilen ein

Bäume spenden frische Luft zum Atmen

Blühende Baumkronen weiten den Blick bis in den Himmel

 

Bei großer Hitze bieten Baumschatten Schutz vor der Sonne und laden zum Verweilen ein.

Bäume haben ihre eigenen Geschichten

Blühende Baumkronen weiten den Blick bis in den Himmel
Baumharzige Berührungen regen die Sinne an

 

Bäume haben ihre eigenen Geschichten

Blätter wiegen sich leicht im Wind

Baumharzige Berührungen regen die Sinne an
Baumborke, die blättert ist nicht immer schädlich und dient dem Wachstum       

 

Blätter wiegen sich leicht im Wind

Baumhausbewohner wie Vögel, Insekten, Spinnen finden angemessenen Lebensraum

Baumborke, die blättert ist nicht immer schädlich und dient dem Wachstum

Baumwipfel, die baumeln, werden vom Wind hin- und her gewogen. Schaukelnd zwitschern die Vögel ihr Lied in die Welt hinaus      

 

Baumhausbewohner wie Vögel, Insekten, Spinnen finden angemessenen Lebensraum
Baumarme Baulücken sind trostlos und kalt

Baumwipfel, die baumeln werden vom Wind hin- und her gewogen. Schaukelnd zwitschern die Vögel ihr Lied in die Welt hinaus

Bäume berühren die Seele der Menschen    

 

© Maria Boyn    

 

 

Schicksal/Bestimmung/Fügung/Los

 

Ich hatte keinen Zweifel, dass es ihre Bestimmung war, die Leitung einer Schreibwerkstatt zu übernehmen.

Nur, und das muss gesagt werden, war es mein Schicksal und das Schicksal vieler anderer, dieser Frau auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein.

Sie traktierte uns mit Aufgaben, die zu bewältigen nur mit außerordentlicher geistiger Konzentration erledigt werden konnten. Ja, manch einer zweifelte an sich selber, besonders ich und wer mich kennt, weiß warum.

Und doch, sie richtete uns immer wieder auf, sprach uns Mut zu, ließ unser hartes Los erträglicher erscheinen, so dass wir zu der Erkenntnis kamen, dass diese Frau eine göttliche Fügung ist.

 

 © Franz Köhler

 

  

Zündeln in Zündorf

 

In Zündorf findet jährlich Deutschlands größtes Volksfest der CDU statt. Von nah und fern strömen die Besucher zu dem historischen Jahrmarkt auf dem idyllischen Marktplatz, besuchen den Afrikamarkt, die große Kirmes mit Riesenrad und Achterbahn, den Trödelmarkt und den großen Flohmarkt für Kinder. Lokale Musiker und Tanzgruppen bieten abwechslungsreiche Unterhaltung. Für Leib und Wohl ist reichlich gesorgt.

Dann, wenn das letzte Lied verklungen war, es dunkel wurde, war die Zeit gekommen. Das Abschlussfeuerwerk wurde gezündelt. Von der nahe gelegenen Groov-Terrasse verfolgten die Zuschauer gebannt das nächtliche Spektakel. Die Menschen standen durch die Nähe der Abschussrampen mitten unter der Performance. Am Himmel explodieren bunte Farben in den unterschiedlichsten Formationen. Mit Zischen und Heulen schossen die gezündelten Raketen hoch hinaus. Mit Leuchteffekten in schillernden Farben tauchten sie die Welt in ein buntes Potpourri. Ein Goldregen rieselte auf uns herab und beendete das brillante Feuerwerk.

 

Schade, dass dieses Feuerwerk seit 2 Jahren nicht mehr stattfindet.

 

© Maria Boyn

 

 

Harmonie - nur ein Begriff?

 

  Wir alle können uns sicher unter Harmonie etwas vorstellen. Doch warum wir etwas als harmonisch empfinden, fällt uns schon schwerer zu beschreiben. Wahrscheinlich stehen diese Empfindungen in den meisten Fällen im Einklang mit anderen Menschen.

  Harmonie ist ein Gefühl, das über alle Sinnesorgane wahrgenommen werden kann. Stellen wir uns vor, der Südturm des Kölner Doms hätte eine völlig andere Form, Farbe und Größe als der Nordturm. Jeder würde hier vermutlich von „Disharmonie“ sprechen. Das trifft auf viele Bauten zu, von denen wir einen Gleichklang in der Symmetrieachse erwarten. Friedensreich Hundertwasser verzichtete bewusst auf Symmetrie und Ebenmaß bei seinen Bauwerken. Er orientiert sich in seinen Werken an Vorgaben aus der Natur, die durch Vielfalt ihrer Gestaltung unsere Gefühle in besonderer Weise anspricht und eine eigene Art von Harmonie vermittelt.

  Köche sind bemüht, ihre Speisen durch Gewürze und Kräuter zu verfeinern, so dass die verschiedenen Geschmacksrichtungen wie süß, sauer, salzig, bitter und umami in einem ausgewogenen, harmonischen Verhältnis stehen. Hinzu kommt, dass beim Essen auch der Geruchsinn angesprochen wird. So kann ein duftendes Blatt Basilikum oder Minze auf dem Teller den Geschmack beeinflussen.

 

  Sogar im Sport entscheidet Harmonie oft über Sieg oder Niederlage. Wenn bei einem Ruderboot die Ruderblätter nicht synchron durch das Wasser gezogen werden, ist der Rhythmus nachhaltig gestört, und die erzielte Leistung steht im Missverhältnis zur aufgewendeten Energie.

  Beim Dressurreiten wird nur dann Harmonie in der Darbietung erreicht, wenn Reiter und Pferd eine Einheit bilden.

 

  In besonderer Weise kommt es beim Tanzsport auf Harmonie an. Hier entscheidet der Gleichklang von Körperhaltung, Bewegung und Schrittfolgen der Paare im Einklang mit der Musik, wie der Tanz bewertet, vor allem aber, welches Gefühl in uns selbst vermittelt wird.

 

  In der Musik hat die Harmonielehre einen sehr hohen Stellenwert. Höhlenfunde zeigen, dass Menschen schon vor 10.000 Jahren Instrumente (z.B. Flöten aus Tierknochen) benutzten, deren Tonfolgen den heutigen gleichen.

  Aufbauend vom „Kammerton A“ entwickelten sich die Tonarten mit ihren Harmonien.

Bei A-Dur werden die Töne a – cis – e als besonders harmonisch empfunden. Wird das cis durch ein c ersetzt, erklingt die Harmonie als a-Moll in einer anderen Klangfarbe; der Ton wirkt weicher und feierlicher. Aber nicht immer erreicht man durch den Austausch eines Tons einen neuen harmonischen Klang. Ersetzt man dagegen das fis in h-Moll durch ein f, so klingt diese Tonfolge disharmonisch.

Musik beeinflusst Blutdruck und Ausschüttung von Hormonen. Es gibt Musik, die spürbar beruhigt und andere die aufwühlt. Musik kann Gefühle und Stimmungen auslösen, sie verstärken oder abschwächen.

 

Bei Gesichtern, Körperformen – auch bei Tieren - haben wir, ähnlich wie bei Bauwerken, oftmals eine Vorstellung davon, was uns äußerlich als harmonisch erscheint und daher von uns auch als besonders schön empfunden wird.

 

  Begegnen wir einen Menschen zum ersten Mal, sind es Gesicht, Gestalt, Gestik und Mimik, die wir als erstes wahrnehmen. Wir wissen sogleich ob es ein Mann oder eine Frau ist, können sein/ihr ungefähres Alter einschätzen, erkennen ob er/sie groß oder klein, dick oder dünn ist und ob er/sie besondere Merkmale hat, die uns auffallen. Nach der äußeren Erscheinung, ist es die die Stimme die wir als angenehm und warm empfinden oder die uns unangenehm, schrill und zu laut erscheint. Meist nur unbewusst schaltet sich auch der Geruchsinn ein. Sprechen wir davon, dass wir jemanden „nicht riechen“ können, so ist dies durchaus auch wörtlich zu nehmen. Jeder Mensch hat einen individuellen Geruch, der neben der äußeren Erscheinung, der Sprache und den Charaktereigenschaften mit dazu beiträgt, wie die erste Begegnung verläuft, ob es zum „Gleichklang“ kommt und sich daraus eine Beziehung, Freundschaft entwickeln, die von beiden Seiten als harmonisch empfunden wird.

 

  Wir stellen also fest: Harmonie ist eine vielschichtige, durch Sinnesreize beeinflusste Gefühlsregung, die einen entscheiden Einfluss auf unser Wohlbefinden hat.

 

© Lothar Lax

Wie schnell sich doch die Dinge ändern …

 

Tiefsinnig betrachte ich den Kalender an der Küchentür. Er scheint nur aus kräftigen Strichen zu bestehen, mit denen ich alle Planungen für dieses Jahr im Zeichen des Corona-Virus für null und nichtig erklärte.

War es denn erst am 9. März, dem Geburtstag meines Mannes, den wir mit einem Konzert in der Philharmonie feierten? Schon am 10. März spielte das Gürzenich-Orchester vor leerem Haus.

Seitdem haben sich die Ereignisse überschlagen. Nach vorsichtigem Aufleben scheint die Stadt mit der zweiten Corona-Welle wieder zum Stillstand gekommen zu sein. Straßen und Plätze, sind menschenleer, es herrscht weitgehende Kontaktsperre, um die Verbreitung des Virus wenigstens zu verringern. Die Läden sind dicht, von Theater, Oper, Philharmonie, von Museen bis Kino alle Kulturtempel geschlossen, sogar meine Literaturgruppe, diesmal wenigstens Schulen und Kita (meistens) nicht. Trotzdem haben Familien oft Probleme, mit Home-Office - eigene Berufstätigkeit und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen. Die Großeltern gehören ja zur Risikogruppe. Erholung in Restaurant oder Café geht nicht, denn auch die sind wieder zu. Und alle Inhaber schreien nach der zugesagten staatlichen Hilfe.

Das Theater fand damals an anderer Stelle statt: In den Supermärkten schlugen sich die Kunden mit Kassiererinnen und anderen Angestellten, ausgerechnet um Klopapier, als wäre dies die größte Kostbarkeit, die es u.a. zu hamstern lohnt - mit Gewalt! Einen bühnenreifen Sketch führte letzthin eine Kundin auf, als sie unter heftigsten Beschimpfungen mit eigenem -pardon - Hinterteil das Warenband blockierte, bis die rasch gerufene Polizei sie dort herunterholte und abführte. Ob sie auch gegen die Beamten gewalttätig wurde, ist nicht überliefert. Ganz so schlimm scheint es diesmal nicht zu werden.

Politiker werben noch intensiver um Verständnis für die Einschränkungen und um Solidarität zwischen den Generationen. Inzwischen werden auch recht rigide Geldstrafen für Vergehen gegen die Kontaktsperre verhängt. Doch das scheint viele, nicht nur Jugendliche, zu animieren, sich hinter verschlossenen Wohnungstüren bei „Corona-Feten“ lautstark zu amüsieren und sich bei Eingreifen mit der Polizei zu prügeln.

Doch kann ein übergewichtiger Raucher mit 30 nicht gefährdeter sein als ein gesunder 65jähriger?

Wenn Corona vorbei ist - wenn man nur wüsste, wann, -  dann feiern wir mit allen, denen wir bisher absagen mussten, ein großes Fest. Versprochen!

 

    © Edith Lerch

 

 

    Angelehnt an Ralph Waldo Emsersons 'Februar'

    Krankheit, Seuche.

    Nordwind, Sturm.

    Kein Buch mehr zu lesen,

    keine Bahn, die noch fährt.

    Keine Freunde, die ich sehen darf.

    Große Einsamkeit.

 

   © Karolina Sinn

 

    Durch Erfahrungen weise

    viele Jahre vergingen.

    Wie oft war es Frühling,

    Vögel hörte ich singen,

    Kinder, Enkel, alle Leute.

    Doch die Seuche holt sich ihre Beute.

    Wie hilflos bin ich alte Frau.

    Gebundene Hände. Ich weiß es genau.

 

   © Karolina Sinn

 

 

„Lächeln heißt die Gegenwart begrüßen“ (Peter Horton)

 

Die Gegenwart im Zeichen von Corona bietet zwar wenig zum Lachen! Doch bevor ich mich - im Grunde eher zum Optimismus neigend - zum schlecht gelaunten Widerling entwickle, versuche ich, mich wie Baron Münchhausen am eigenen Schopf aus diesem „Sumpf“ herauszuziehen. Eine kleine Auswahl:

 

Ich habe gelächelt, als der Vater meiner Urenkelin Marie mich bat, ihr zum vierten Geburtstag ein heiß gewünschtes Kleid zu nähen, lila oder pink, mit einem gaaanz weiten Rock. Stoff hatte er gleich mitgebracht, der reichte dann sogar noch für zwei T-Shirts.

 

Ich habe gelächelt, als die Nachbarskinder Fabia und Eva an der Tür strahlend „dankeschön“ sagten. Wenn ihre Mutter für uns einkauft, steht als letztes auf dem Zettel immer: „Ein Extra für die Mädchen“, denn ein von ihnen sehr geliebter gemeinsamer Besuch im Eissalon ist ja gerade nicht möglich.

 

Ich habe gelächelt, wenn eine andere Nachbarin mit dem Einkauf für uns einen Strauß Tulpen mitbrachte, der den Glastisch im Wohnzimmer - mit einer farblich passenden Kerze - lange verschönt.

 

Ich habe gelächelt, wenn mein Mann mich mit einer liebevollen Umarmung fragte, wie ich geschlafen hätte?

 

Die Aufzählung ließe sich mühelos fortsetzen. Der Mensch braucht viel weniger Muskeln für ein Lächeln als für eine finstere Miene! Und es gibt doch so viele Gründe, diese wenigen Muskeln spielen zu lassen. Ich schaue in den Spiegel und sehe ein lächelndes Gesicht.

So wird das Leben leichter - in der Gegenwart und in einer ungewissen Zukunft.

 

 © Edith Lerch

Kommentar schreiben

Kommentare: 0